Zum Inhalt springen

Fallschirmjägerdenkmal (Gniebing)

Gesichtet
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Fallschirmjägerdenkmal in Gniebing (2018)

Das Fallschirmjägerdenkmal ist ein Kriegerdenkmal in der Katastralgemeinde Gniebing in der Stadt Feldbach in der Steiermark. Es handelt sich um eine Gedenkstätte für die Fallschirmjäger der Wehrmacht und ist das einzige Denkmal dieser Art im deutschsprachigen Raum.

Von Anfang April 1945 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945 war das Gebiet um Feldbach heftig umkämpft. Nach der erstmaligen Eroberung Feldbachs durch die Rote Armee wurde die Stadt für wenige Tage von Einheiten der Wehrmacht unter Beteiligung von Fallschirmjägern zurückerobert.[1] Laut Werner Tscherne war bei Kirchberg eine Abwehrstellung aufgebaut worden und Feldbach mit Hilfe einer überraschend verfügbar gewordenen Artillerieabteilung der 10. Fallschirmjägerdivision am 5. April zurückerobert.[2]

Nach den schweren Kämpfen bei Feldbach, vor allem in Mühldorf, hatten die 500 Fallschirmjäger 42 Tote und 60 Verwundete zu verzeichnen. Rudolf Grasmug vom Südoststeirischen Verein für Heimatkunde hat sich mit der Aufklärung der „irrigen Meinung“ befasst, dass die Fallschirmjäger aus der Luft abgesetzt wurden und auf dem Steinberg (450 m) landeten, indem er Zeitzeugen befragte, die als Fallschirmjäger in Feldbach und Mühldorf im Einsatz waren. Tatsächlich erreichten die Fallschirmjäger die Höhenlinie des unteren Randes des heutigen Basaltsteinbruches am 7. April 1945.[3] Grasmug widerlegte verschiedene Legenden (u. a. Skelettfunde) und rekonstruierte die Art und Zeit des entscheidenden Einsatzes einer deutschen Fallschirmjägereinheit bei der Rückeroberung Feldbachs, an die das Fallschirmjägerdenkmal erinnert.[4]

Das Fallschirmjägerdenkmal vor der jüngsten Umgestaltung (2018)
Eine der Inschriften des Denkmals (2023)

Bei dem Denkmal handelt es sich um eine rechteckige, etwa quadratische Säule, die mit einem stürzenden Adler, dem Symbol der Fallschirmjäger der Wehrmacht, bekrönt ist. Das Denkmal ist 15 Meter hoch;[3] der Adler wiegt 2,5 Tonnen. Die Anlage befindet sich auf einer etwa 8 Meter breiten und 6,5 Meter tiefen, von einer Mauer eingefassten Terrasse. Das Denkmal steht in nach Südosten weisender Hanglage oberhalb der Ortschaft Gniebing und unterhalb des Weilers Auersberg.[5] Die Gestaltung des Denkmals erinnert stark an das Fallschirmjägerdenkmal auf Kreta von 1941.[6] Die Ausführung des Denkmals erfolgte 1954 durch den Steinmetzmeister Alois Harmtodt.[7]

Folgende Inschriften wurden auf das Denkmal eingelassen:

„Hier kämpften und fielen in den ersten Apriltagen des Schicksalsjahres 1945 deutsche Fallschirmjäger, getreu ihrem Eid und gehorsam der beschworenen Pflicht.“

„Fallschirmjägerdenkmal errichtet 1954 / Ehrenmal der ehemaligen Fallschirmjäger zur Erinnerung an die im Weltkriege 1939–1945 Gefallenen / Errichtet von der Kameradschaft Steiermark ehemaliger Fallschirmjäger“

„Getreu bis in den Tod verteidigten 1945 Gebirgsjäger ihre Heimat Kameradschaft v. Edelweiss ehemalige Gebirgsjäger Bezirksgruppe Feldbach“

„Die für das Vaterland starben ehren wir am besten, wenn wir für das Vaterland leben“

„Kamerad, kommst du nach Hause, so sage dort, du habest uns hier liegen gesehen, wie unser Gesetz es befahl.“

Bis zur Umgestaltung 2019 befand sich auf dem Boden vor dem Denkmal eine Platte mit einem eingravierten Fallschirmschützenabzeichen der Luftwaffe und dem Schriftzug „Kretas Erde“. Dieser bezog sich auf zwei kleine daneben angebrachte Behältnisse, die kretische Erde enthielten. Im Mai und Juni 1941 besetzten Deutsche und Italiener im Rahmen des Unternehmens Merkur die griechische Insel Kreta; daran waren maßgeblich Fallschirmjäger der Wehrmacht beteiligt, die dabei schwere Verluste erlitten.[8] Bei einer Umgestaltung des Denkmals wurde die Platte entfernt und durch eine Platte mit folgenden Inschriften ersetzt:

„Dem Fallschirmjägeroffizier Julius Schlegel Retter des Weltkulturerbes von Monte Cassino zum Gedenken“

„Mortui viventes obligant“

Das Denkmal wurde 1954 von der Kameradschaft Steiermark ehemaliger Fallschirmjäger mit Sitz in Feldbach errichtet.[3] Es stieß auf Kritik, vor allem hinsichtlich der Gestaltung und der Inschriften.[9] Kritisiert wurden nicht die Kriegerdenkmäler selbst, sondern die über das örtliche Gedenken hinausgehenden „militaristischen Tendenzen“ wie Soldatentreffen und entsprechende Textierungen.[9] Schon in der 39. Sitzung des Nationalrates, verteidigte Bruno Pittermann das Ehrenmal, dessen Einweihung an Pfingsten 1954 bevorstand, es sei nämlich kein Hakenkreuz auf dem "niederstürzenden Adler" vorgesehen, wie es allein die Volksstimme verbreite, während Ernst Fischer ihn durch Zwischenruf während der Rede aufforderte, sich selbst zu überzeugen.[10]

Der KPÖ-Abgeordnete Franz Honner thematisierte dann in der 54. Sitzung des Nationalrates die „antiösterreichische“ Aktivitäten von Soldatenverbänden auch im Rahmen einer Nationalratsdebatte. Er kritisierte, dass die Adlerplastik dem Feldabzeichen der ehemaligen deutschen Fallschirmjäger nachgebildet sei, sowie die Inschrift „[…] Fallschirmjäger, getreu ihrem Eid und gehorsam ihrer geschworenen Pflicht“ mit seiner Frage: „Welches aber war die geschworene Pflicht, die hier verherrlicht wird?“ Dann bezog er sich auf die Ermordung mehrerer Bauern in Hartberg durch SS-Angehörige.[11]

Seitens des Innenministeriums wurde Unbedenklichkeit behauptet, da eine eingehende Beschreibung durch die Sicherheitsdirektion Steiermark vorliege, wonach das Denkmal „Inschriften von Peter Rosegger“ aufweise.[9][12][10]

Seither findet jeweils am 20. Mai eine Gedenkfeier statt. Ab 2009 wurde diese von Josef Paul Puntigam organisiert.[13][14] Soldaten des Bundesheers dürfen seit 2013 nicht mehr in Uniform an der Gedenkfeier teilnehmen.[15]

Die Vorlagen für das Denkmal stammten vom Grazer Kaufmann Herbert Glanzer. Die Kosten für die Errichtung wurden durch Spenden der Veteranen, der Bevölkerung von Feldbach, des Gewerbes und der Steiermärkischen Landesregierung aufgebracht. Zudem gab es auch finanzielle Unterstützungen aus der Bundesrepublik Deutschland.

Die erste Renovierung 1974 war mit einer großen Feier verbunden.[7] Das Denkmal wurde nochmals 1988, 2002 und 2019 renoviert.[16] Das Denkmal, das im Kulturgüterverzeichnis des Landes Steiermark festgehalten ist, wurde 1993 der Gemeinde Gniebing-Weißenbach übergeben und gehört heute der Stadt Feldbach.[7]

Im Lauf der Jahrzehnte wurde das Denkmal mehrfach verunstaltet und beschädigt.[15][17] Unter anderem wurde es im Vorfeld der Feier zu seinem 70-jährigen Bestehen im Jahr 2024 von Unbekannten mit Teer beschmiert; die Polizei leitete Ermittlungen wegen Sachbeschädigung ein.[18]

Commons: Fallschirmjägerdenkmal (Gniebing) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. NS-Zeit und Zweiter Weltkrieg. In: tabor-feldbach.at. Abgerufen am 15. Juni 2026.
  2. Werner Tscherne: Die Steiermark im Jahre 1945. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark. Jahrgang 86, 1995, S. 7–21, hier: S. 11 (historischerverein-stmk.at [PDF; 6,4 MB; abgerufen am 12. Juli 2026]).
  3. 1 2 3 Rudolf Grasmug: Feldbach und die Fallschirmjäger 1945. In: Die Briten in den Bezirken Feldbach und Radkersburg 1945-1955. Südoststeirischer Verein für Heimatkunde, 2005, S. 166 - 168.
  4. Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark. Historischer Verein für Steiermark, 2005, S. 449.
  5. Karte im Digitalen Atlas Steiermark, abgerufen am 12. Juli 2026.
  6. Gniebing (Fallschirmjäger), Gemeinde Feldbach, Bezirk Südoststeiermark, Steiermark, Österreich. In: denkmalprojekt.org. Abgerufen am 15. Juni 2026.
  7. 1 2 3 Rudolf Grasmug: Das Fallschirmjägerdenkmal auf der Kollmannshöhe. In: Die Briten in den Bezirken Feldbach und Radkersburg 1945–1955. Südoststeirischer Verein für Heimatkunde, 2005, S. 166.
  8. Kritische Umgestaltung des Fallschirmjägerdenkmals in Gniebing, Fallschirmjägerdenkmal in Gniebing (8330). In: hdgoe.at. Abgerufen am 15. Juni 2026.
  9. 1 2 3 Stefan Riesenfellner, Heidemarie Uhl: Todeszeichen: zeitgeschichtliche Denkmalkultur in Graz und in der Steiermark vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Böhlau, 1994, ISBN 978-3-205-98213-5, S. 152, 190.
  10. 1 2 39. Sitzung des Nationalrates der Republik Österreich. 19. Mai 1954, S. 21, abgerufen am 13. Juli 2029.
  11. 54. Sitzung des Nationalrates der Republik Österreich - VII. GP. - 3. Dezember 1954. 1954, abgerufen am 6. Juli 2026.
  12. Stenographische Protokolle über die Sitzungen des Nationalrates (VII. Gesetzgebungsperiode ) der Republik Österreich. 1954. Bd. 2, Wien 1954, S. 1643
  13. Nina Horaczek: Bundesheer: Rechtes Netzwerk in Österreichs Kasernen. In: zeit.de. 27. August 2012, abgerufen am 15. Juni 2026.
  14. Treue um Treue – Kreta-Feier in Feldbach. In: akhinterland.wordpress.com. 16. März 2013, abgerufen am 15. Juni 2026.
  15. 1 2 Maria Sterkl: Umstrittenes Wehrmachts-Gedenken ohne Bundesheer. Der Standard, 15. Mai 2013, abgerufen am 22. Juni 2026.
  16. Fallschirmjägerdenkmal in Feldbach. In: steiermark.com. Abgerufen am 15. Juni 2026.
  17. Heimo Potzinger: 70 Jahre Fallschirmjäger-Ehrenmal: Feier vor verschmiertem Denkmal am Auersberg. In: meinbezirk.at. 22. Mai 2024, abgerufen am 11. Juli 2026.
  18. Helmut Steiner: Schmieraktion: Fallschirmjäger-Denkmal in Feldbach vor 70-Jahr-Feier mit Teer verunstaltet. In: kleinezeitung.at. 21. Mai 2024, abgerufen am 15. Juni 2026.

Koordinaten: 46° 57′ 37,5″ N, 15° 52′ 37,5″ O