Jüdische Akademie
Die Jüdische Akademie ist eine 2026 eröffnete jüdische Bildungseinrichtung in Frankfurt am Main. Sie ist die erste jüdische Institution dieser Art von überregionaler Bedeutung seit der Schoa. Bauherr war der Zentralrat der Juden in Deutschland (ZdJ).
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Impuls zur Einrichtung war die Weiterentwicklung der auf Initiative von Dieter Graumann 2012 gegründeten Bildungsabteilung des Zentralrats, die in der Akademie aufging. Der Zentralrat stellt sie in die Tradition des Anfang der 1920er Jahre von Franz Rosenzweig geleiteten, von den Nationalsozialisten aufgelösten Freien Jüdischen Lehrhauses.[1]
Die ausgeschriebene zweistufige Mehrfachbeauftragung gewann im Herbst 2018 das Frankfurter Büro Zvonko Turkali Architekten, geführt von Zvonko Turkali, das auch mit der Realisierungsplanung betraut wurde. Die Baugenehmigung wurde Ende Dezember 2019 erteilt. Im September 2020 wurde der Kaufvertrag des Grundstücks von Zentralrat und stadteigener ABG Frankfurt Holding unterzeichnet.[2] Der symbolische erste Spatenstich erfolgte am 2. September 2021 unter Anwesenheit von ZdR-Präsident Schuster, des Staatssekretärs im Bundesinnenministerium Kerber, Ministerpräsident Bouffier und Oberbürgermeister Feldmann. Zu diesem Zeitpunkt sahen die Planungen vor, dass die Akademie im Jahr 2023 fertiggestellt und 2024 ihren Betrieb aufnehmen solle.[3] Durch pandemiebedingte Verzögerungen wurde das Richtfest erst am 25. September 2024 gefeiert; die Eröffnung der Akademie erfolgte am 2. November 2026 unter Anwesenheit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.[4]
Konzept
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Akademieleitung wurde Doron Kiesel, wissenschaftlicher Direktor der Bildungsabteilung des Zentralrats, und Sabena Donath, Co-Leiterin der Bildungsabteilung, übertragen, die das inhaltliche Konzept entwickelt haben. Die Akademie soll laut Zentralrat überregionale und breite Wirkung entfalten, dabei nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Ort für gesellschaftliche Diskussion und Denkfabrik[5] sein: „Sie soll als intellektueller Mittel- und Anziehungspunkt sowohl für Jüdinnen und Juden aus Deutschland und Europa als auch für Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften wirken, die an jüdischen, interkulturellen, interreligiösen oder universellen Fragestellungen interessiert sind. Die Jüdische Akademie wird öffentliche Diskurse aufgreifen, initiieren oder problematisieren und somit der jüdischen Stimme in Deutschland ein erkennbares Profil verleihen.“[1]
Themenschwerpunkte sind:
- Das Judentum – eine lebendige Religion in Geschichte und Gegenwart
- Jüdische Lebenswelten – Pluralisierung und Eigensinn
- Das Verhältnis zu Israel
- Aufklärung über die Schoa
- Erinnern und Gedenken in der deutschen Gesellschaft
- Gefährdete Demokratie: Antisemitismus und Populismus
- Ästhetik, Kunst, Film und Literatur
- Jüdische Philosophie und Ethik
- Interreligiöse (Streit-)Gespräche
Die Katholische Akademie Rabanus Maurus in Frankfurt hat in Hinblick auf Finanzen, Konzeption, Personal und Programm der Jüdischen Akademie wesentliche Beratungsleistungen erbracht.[6]
Lage
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Die Akademie wurde im Stadtteil Westend errichtet, an der Südspitze des auf dem bisherigen Campus Bockenheim entstehenden Kulturcampus. Das Areal liegt in einem Zwickel an der spitzwinkligen Einmündung der Georg-Voigt-Straße in die Senckenberganlage. Im Westen direkt benachbart befindet sich ein weiteres Kulturinstitut, das „Tibethaus Deutschland“. Nördlich der Akademie steht das Hochhaus One Forty West. Südlich angrenzend, auf der gegenüberliegenden Seite der Georg-Voigt-Straße, befindet sich das Hotelhochhaus Westend Gate an der Hamburger Allee.
Bauwerk
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vor Bekanntwerden der Bauabsicht des Zentralrats sollten auf dem Eckgrundstück Büros entstehen nach einem in Dimensionen und Fassadengestaltung an die vorhandenen Häuser angelehnten Entwurf des Frankfurter Büros Albert Speer & Partner.
Der Entwurf des Büros Zvonko Turkali Architekten für die Jüdische Akademie setzt mit seinem größeren Volumen und einer zeitgenössischen Architektursprache einen Kontrast zum denkmalgeschützten Ensemble der ehemaligen Professorenhäuser aus der Gründerzeit der Goethe-Universität. Fassaden aus Beton und Putz sowie geschosshohe Fensterbänder prägen das Erscheinungsbild des Neubaus. Die Tragwerksplanung erstellte das Frankfurter Ingenieurbüro BS Schwarzbart.
In seiner volumetrischen Staffelung nimmt der vierstöckige Neubau Bezug auf die benachbarte Professorenvilla. Seine Spitze entsteht aus der Geometrie der angrenzenden Straßenverläufe. Im obersten Geschoss ist die Spitze als Loggia ausgebildet und öffnet das Gebäude zum Stadtraum. Ein weiteres Element ist die entlang der Senckenberganlage angeordnete Auskragung im ersten Obergeschoss des Gebäudes, hinter der sich der große Veranstaltungssaal befindet. Die konstruktive Lösung dieser Auskragung ermöglichte den Erhalt der großkronigen Bäume entlang der Grundstücksgrenze.
Im Neubau sind ein bis zu 5,50 Meter hoher Veranstaltungssaal für rund 200 Personen, ein Ausstellungsraum sowie Multifunktions- und Seminarräume untergebracht; im Untergeschoss befindet sich ein Speisesaal. Das Foyer aus beigem Sichtbeton verbindet die Raumebenen und nimmt eine gewendelte Treppe auf. Den oberen Abschluss des Gebäudes bildet eine Dachterrasse mit Blick auf die Frankfurter Skyline.
Das benachbarte Doppelhaus an der Senckenberganlage 9–11 – eine 1914 im Baustil des Neoklassizismus als Professorenvilla errichtete Villa, die zeitweise als Sitz des „Instituts für Didaktik der Mathematik“ diente – wurde in das Gesamtkonzept integriert. Die historische Villa wurde saniert und umgebaut. Sie beherbergt ein Café, Besprechungsräume, die Verwaltung der Akademie und eine kleine Bibliothek. Ein eingeschossiger, verglaster Zwischenbau fügt Alt- und Neubau zusammen und dient als gemeinsamer Hauptzugang.
Baukosten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Gesamtkosten wurden ursprünglich auf 21 Mio. Euro veranschlagt, wovon 7 Mio. vom Bund, 3 Mio. vom Land Hessen und 4,5 Mio. von der Stadt Frankfurt am Main übernommen werden sollten. 2021 wurde eine Kostensteigerung durch die Erhöhung der Sicherheitsanforderungen auf inzwischen 34,5 Mio. Euro kommuniziert. 16 Mio. davon trägt die Bundesrepublik Deutschland, 7 Mio. das Land Hessen, die Stadt Frankfurt 5 Mio., den Rest übernimmt der Zentralrat.[7][8] Ende Februar 2024 belief sich die aktuell geschätzte Gesamtbausumme laut Zentralratspräsident Josef Schuster auf 36 Millionen Euro.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Jüdische Akademie. In: Zentralrat der Juden. 2. August 2021.
- ↑ Weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Jüdischen Akademie - Stadt Frankfurt am Main. In: Haushalt und Finanzen.
- ↑ dpa Hessen: Baubeginn für Jüdische Akademie in Frankfurt. In: Zeit Online. Kontakt Verlag, Zeit Online GmbH, Hamburg, 2. September 2021, abgerufen am 23. Januar 2025.
- ↑ Alexander Jürgs: Jüdische Akademie eröffnet : „Ein Zeichen des jüdischen Selbstbewusstseins“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 2. November 2026, abgerufen am 2. November 2026.
- ↑ Leticia Witte: Denkfabrik in Bockenheim. In: Jüdische Allgemeine. 9. Januar 2020.
- ↑ Jüdische Akademie: Kaufvertrag für Grundstück unterzeichnet. In: hausamdom-frankfurt.de.
- ↑ Weg frei für jüdische Akademie in Frankfurt. 22. November 2018.
- ↑ Jüdische Akademie Frankfurt: „Ein jüdisches Haus“ mitten in der Stadt. In: https://www.fr.de. 28. Juni 2021.
Koordinaten: 50° 6′ 54,2″ N, 8° 39′ 5″ O
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