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Lisene

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Lisenen und Rundbogenfries

Die Lisene (von frz. lisière „Saum“, „Rand“, „Kante“; auch Lesine, Laschene[1][2]) ist in der Architektur zur Gliederung von Fassaden eine schwach vortretende, senkrechte Wandvorlage, selten mit kleinem Kämpfer, aber im Unterschied zum Pilaster ohne Basis und Kapitell.[3]

Funktion und Verwendung

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1: Kantenlisene, 2: Ecklisene

Lisenen werden wie Pilaster zur optischen Gliederung einer Fassade oder sonstigen Wandfläche verwendet. Sie dienen nicht nur zur Verzierung von glatten Wänden, sondern als Kantenlisenen auch zur Betonung der Gebäudekanten. Etwas von der Gebäudekante Abstand haltende Lisenen sind Ecklisenen.

Kunsthistoriker haben zur Beschreibung von historischen Fassaden den Begriff Lisenenrahmengestell geprägt.[4] Gemeint ist eine Kombination aus Lisenen mit einer oben verbindenden, horizontalen Fassadenvorlage, die insgesamt wie ein aufgeblendetes Gestell wirkt, das gleichzeitig Fensterachsen rahmt. Der Architekturtheoretiker Leonhard Christoph Sturm zeigte diese Möglichkeit der Fassadengliederung bereits 1699 in einem musterhaften Fassadenaufriss seiner Civil-Bau-Kunst.[5]

An bautechnisch relevanten Stellen kann auch der Effekt als statische Verstärkung hinzu kommen. So wird die romanische Lisene teilweise als Stammform des in der Gotik aus dem Gebäude herausgezogenen Strebepfeilers angesehen.[6]

Lisenen wurden in verschiedenen Epochen verwendet, so auch in der römischen und in der Folge in der byzantinischen Architektur. Diese in Norditalien (vor allem in Ravenna) verwendete Fassadengliederung griffen die dort siedelnden germanischen Langobarden auf, so dass durch Rundbogenfriese miteinander verbundene Lisenen nahezu stilprägende Merkmale der lombardischen Architektur wurden. Lombardische Baumeister waren wegen ihrer Kunstfertigkeit berühmt, im Ausland begehrt und förderten so die Verbreitung dieses Gestaltungsmerkmals.

Nördlich der Alpen finden sich Lisenen als Gestaltungselemente bereits sehr früh an den Stiftskirchen St. Cyriakus in Gernrode (vor 1000) und der nahegelegenen St. Servatiusstiftskirche in Quedlinburg (997–1021). Von großem Einfluss war die Verwendung von Lisenen am Speyerer Dom (1030–1106), was viele Baumeister zur Nachahmung anregte. In der Folge findet man sie an vielen romanischen Kirchen.

Seit der Renaissance wird die Lisene vom Pilaster verdrängt, obschon formal orientierte Architekten wie Palladio und die Baumeister des klassizistischen Barocks durchaus sehr reduzierte, lisenenhafte Elemente verwendeten. Lisenen lebten aber in den Neostilen des Historismus wieder auf und findet sich durchgängig in der Zweckarchitektur von Industriebauten, insbesondere in der Ziegelarchitektur, aber auch bei repräsentativen Putzfassaden des Historismus.

Im modernen Skelettbau kann die Tragstruktur durch Verkleidungen oder Verblendmauerwerk verdeckt sein, die wiederum eine gliedernde Lisenenstruktur abbilden.

In der Möbeltischlerei bezeichnet man mit Lisene eine erhabene senkrechte Leiste, die eingetiefte Felder rahmt, insbesondere an einer Kante des Möbelstücks. Beispiele finden sich beim Frankfurter Schrank und im Klavierbau.

Beim modernen Fassadenbau sind Lisenen vertikal angeordnete Verbindungselemente von horizontal verlegten Sandwichpaneelen.[8]

  • Lisene, auf denkmalstiftung-baden-wuerttemberg.de

Einzelnachweise

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  1. Lisenen. In: Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon. 5. Auflage. Band 2. Brockhaus, Leipzig 1911, S. 66 (Digitalisat. zeno.org). Andere Wortformen für Lisene.
  2. Laschene. In: Illustriertes Bau-Lexikon. Dritter Band. Otto Spamer, Leipzig, Berlin 1883, S. 265 (Universitätsbibliothek Heidelberg [abgerufen am 3. Februar 2025]).
  3. Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar. (= Kröners Taschenausgabe. Band 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat auf moodle.unifr.ch, abgerufen am 29. März 2025), S. 313: Lisene.
  4. Begriffsverwendung beispielsweise: Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 50: Stadt Minden, Teil 5., Minden ausserhalb der Stadtmauern, Teilbd. 1. Bearbeitet von Fred Kaspar. Klartext-Verlag, Essen 1998, ISBN 978-3-88474-635-6, S. 585. (BooksGoogle)
  5. Nikolai Goldmanns Vollständige Anweisung zu der Civil Bau-Kunst […]. Herausgegeben von Leonhard Christoph Sturm. Heinrich Keßler, Braunschweig 1699, nach S. 165, Fig. 1C (Digitalisat der Abbildung, Texthinweis zur Abbildung auf S. 9: „Der Aufriß“)
  6. Lisene. In: denkmalstiftung-baden-wuerttemberg.de. Denkmalstiftung Baden-Württemberg, abgerufen am 5. September 2026.
  7. Hotelgebäude Freigeist. In: hagemeister.de. Abgerufen am 6. September 2026.
  8. Lisene. In: ptsha.de. Abgerufen am 4. September 2026.