Nippeser Tälchen



Das Nippeser Tälchen ist eine Grünanlage im Kölner Stadtteil Nippes. Sie befindet sich in einer Senke, die vor rund 5000 Jahren von einem Nebenarm des Rheins geformt wurde. Das Gelände war schon zur Zeit der Römer besiedelt, und bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich hier ein See, der über Jahrhunderte als Fischteich genutzt worden war.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vor vermutlich rund 5000 Jahren floss durch die heute „Nippeser Tälchen“ genannte Senke ein Nebenarm des Rheins. Er zweigte auf Höhe der Zoobrücke vom Rhein ab und mündete im Bereich des Worringer Bruchs wieder in den Fluss ein. Die Niederterrassenkante ist im Bereich des Tälchens markant ausgeprägt.[1] Mit den Jahrtausenden nahm die Wassermasse ab, und der Nebenarm des Rheins bildete sich zurück.[2]
Zur Römerzeit befand sich oberhalb der Senke eine Villa rustica (mutmaßlich aus dem 1./2. Jahrhundert), deren Reste in den 1990er Jahren im Bereich des „Altenberger Hofes“ entdeckt wurden. Im Mittelalter hatte sich der Fluss zu einem großen See reduziert.[2] Ein erster Pachtvertrag für den Weiher ist aus dem Jahr 1233 bekannt: Der See wurde von Bruno, Propst des Kölner Stifts St. Kunibert, an Philippus und dessen Frau Petrisse vom „Mauenheimer Hof“ zum Preis von Weizen, Eiern, Käse, Hühnern, Milch und weiteren landwirtschaftlichen Produkten überlassen. In diesem Vertrag ist erwähnt, dass der Teich dem Propst selbst gehörte und er ihn als Fischteich nutzte.[3] In den folgenden Jahrhunderten wurde der Fischteich immer wieder in Urkunden explizit erwähnt, auch als Anlass für Streitigkeiten.[4] Zu dieser Zeit war Mauenheim eine eigenständige Ortschaft, und ihr Kern waren drei Höfe. Von diesen ehemals drei Mauenheimer Höfen ist heute nur der „Altenberger Hof“ erhalten, der diesen Namen erhielt, weil er ab 1432 den Äbten des Klosters Altenberg gehörte.[5] „Frohnhof“ und „Rüsseler Hof“ existieren nicht mehr.[2] Die Höfe befanden sich oberhalb der Terrassenkante, hochwasserfrei, aber in der Nähe zum Wasser.[1]
Innerhalb von Mauenheim entwickelte sich ein Wohngebiet, das im 16. Jahrhundert als „Nippes“ bekannt werden sollte. Schließlich wurde der Name „Nippes“ von der Siedlung auf die gesamte Ortschaft übertragen.[2] Es wird angenommen, dass dieser Name Bezug nimmt auf den See und den alten Rheinarm, könnte er doch von „Niep“ abgeleitet sein, was vermutlich „feuchte Senke“ bedeutete.[6]
Über die Zeiten wurde der See nicht nur zum Fischfang genutzt. Im Jahr 1883 etwa entnahm die Nippeser Feldschlösschen Brauerei im Winter das Natureis des zugefrorenen Sees. Von 1883 bis 1902 gab es rund um den See den „Nippeser Volksgarten“, einen kleinen Vergnügungspark mit Restaurationsbetrieb, Gartenpavillon und Kanufahrten.[1] 1903 wurde der See zugeschüttet, wie der gesamte Stadtteil während der Industrialisierung aufgeschüttet und angehoben wurde, um einen kleinen Hochwasserschutz zu erreichen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde eine Kleingartenanlage eingerichtet, um die Eigenversorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln und Gemüse zu ermöglichen.[7]
Bis in die 1920er und 1930er Jahre hinein wurde das Gelände als Schützen-, Kirmes- und Sportplatz genutzt.[8] Ab den 1940er Jahren diente das Tälchen unter anderem als Standort für Baracken und Behelfsheime für Wohnungslose, als Schrottplatz und später als Lager für den Bau der Stadtbahn Köln.[9] 1954 beschloss der Rat der Stadt Köln, das „Nippeser Tälchen“ als Freifläche zu erhalten, und ab Anfang der 1970er Jahre wurde mit der Sanierung und einer umfassenden Neugestaltung der Fläche begonnen.[10] Dazu gehörte die Pflanzung zahlreicher Bäume.[11]
Die Talsohle liegt nur auf etwa einer Höhe von 37,98 Meter über Normalnull und damit etwa 2,94 Meter Kölner Pegel.[1] Bevor ab 2005 in Köln ein verbessertes Hochwasserschutzkonzept umgesetzt wurde, führte zu Hochwasserzeiten aufsteigendes Grundwasser zur Bildung kleinerer Seen im Tälchen, zuletzt im Februar 1995.[1]
Beschreibung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Den Namen „Nippeser Tälchen“ trägt die Grünanlage offiziell seit 2012, seit wann das Gelände im Volksmund so genannt wurde, ist nicht bekannt.[1] Sie besteht hauptsächlich aus einer großen Grünfläche mit sie umrandenden Bäumen. Sie ist 27.340 Quadratmeter groß einschließlich der Spielplätze (Sandspielbereich mit Wasserspielangebot), eines großen Bouleplatzes und einer Hundefreilauffläche. Dazu kommen rund 17.000 Quadratmeter für die heute noch 43 Gärten des „Kleingartenvereins Mauenheim“; das Gelände des Vereins ist das tiefstgelegene in Nippes und bei Rheinhochwasser manchmal überschwemmt. Seit 2014 ist die Straße Niehler Kirchweg, die das Tälchen durchquert, für den Autoverkehr gesperrt.[12]
Seit 2007 dient der „Altenberger Hof“ oberhalb des Tälchens als Bürgerzentrum mit Gastronomie.[13][14] Ein Verbindungsweg in der Grünanlage ist nach der Widerstandskämpferin Rosa Safarowsky benannt.[15] Nördlich davon befindet sich ein öffentlicher „Veedelgarten“.[16]
Geplant ist, an und unter der nahegelegenen Hochbahn-Trasse der Kölner Stadtbahn einen Park anzulegen, dieser soll mit dem Nippeser Tälchen, dem Toni-Steingass-Park und dem Nordpark zum „Grünzug Nippes“ verbunden werden.[17][18]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Reinhold Kruse: Der Nippeser Weiher. Die Bedeutung eines Gewässers für einen Siedlungsraum. Edition Nippes, 2006, ISBN 978-3-9804119-3-6.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Koordinaten: 50° 58′ 6,2″ N, 6° 56′ 59″ O
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 Martina Gelhar: Nippeser Tälchen in Köln | Objektansicht. In: kuladig.de. 2018, abgerufen am 24. Juni 2026.
- 1 2 3 4 Florian Eßer: Köln-Magazin: Nippeser Tälchen. In: koeln-magazin.de. 22. Juli 2020, abgerufen am 24. Juni 2026.
- ↑ Kruse, Der Nippeser Weiher, S. 63.
- ↑ Kruse, Der Nippeser Weiher, S. 64f.
- ↑ Winfried Schumacher: Der Altenberger Hof. In: Nippes. Facetten eines Stadtteils. Archiv für Stadtteilgeschichte Köln-Nippes, Köln 2018, S. 9.
- ↑ Christiane Vielhaber: Nippes, Sülz, Zollstock: Woher kommen die kuriosen Kölner Veedel-Namen? In: Kölner Stadt-Anzeiger. 7. Januar 2022, abgerufen am 26. Juni 2026.
- ↑ Martina Gelhar: Kleingartenanlage „Nippeser Tälchen“ | Objektansicht. In: kuladig.de. 2018, abgerufen am 1. Juli 2026.
- ↑ Kruse, Der Nippeser Weiher, S. 240.
- ↑ Kruse, Der Nippeser Weiher, S. 243.
- ↑ Kruse, Der Nippeser Weiher, S. 244/45.
- ↑ Kruse, Der Nippeser Weiher, S. 246.
- ↑ Bernd Schöneck: Köln: Nippeser Tälchen soll grüner werden. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 3. April 2020, abgerufen am 30. Juni 2026.
- ↑ Martina Gelhar: Altenberger Hof in Nippes | Objektansicht. In: kuladig.de. 3. Juli 1984, abgerufen am 26. Juni 2026.
- ↑ Maro Huljev: Potpourri Köln. In: potpourri.koeln. Abgerufen am 26. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Stadt Köln (Hrsg.): Öffentliche Bekanntgabe des Zentralen Namensarchivs. 29. Juni 2022 (stadt-koeln.de [PDF]).
- ↑ Veedelgarten - Nippeserleben Köln. In: nippeserleben.org. Abgerufen am 27. Juni 2026.
- ↑ Bernd Schöneck: Zehn Hektar Park für Köln-Nippes: Bürger wollen Beachvolleyball und Fitness-Parcours. In: Kölnische Rundschau. 20. Februar 2022, abgerufen am 26. Juni 2026.
- ↑ Bernd Schöneck: „Grünzug Nippes“: Fast zehn Hektar großer Park entsteht an Hochbahn. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 30. Oktober 2025, abgerufen am 26. Juni 2026.
