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Schoenfliesit

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Schoenfliesit
Schoenfliesit (gelb) aus der Skarn-Lagerstätte bei Zlatý Kopec im Karlovarský kraj, Tschechien
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1968-008[1]

IMA-Symbol

Sfs[2]

Andere Namen

Schönfliesit

Chemische Formel
  • Mg2+Sn4+(OH)6[1]
  • (Mg,Mn,Fe)[Sn(OH)6][3]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Oxide und Hydroxide
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

IV/F.16-010[4]

4.FC.10[5]
06.03.06.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem kubisch[6]
Kristallklasse; Symbol disdodekaedrisch; 2/m3[7]
Raumgruppe Pn3 (Nr. 201)Vorlage:Raumgruppe/201[6]
Gitterparameter a = 7,759(6) Å[6]
Formeleinheiten Z = 4[6]
Häufige Kristallflächen Oktaederflächen {111}
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 4–4,5[7]
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,483[6]
Spaltbarkeit nicht beobachtet[7]
Bruch; Tenazität uneben, muschelig[7]
Farbe gelb bis orange-braun, grünlich-gelb[7]
Strichfarbe fast weiß[7]
Transparenz transparent bis durchscheinend[7]
Glanz Harzglanz[8][7]
Kristalloptik
Brechungsindex n = 1,590[9]
Doppelbrechung isotrop
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten gut löslich in Salzsäure (HCl), langsam in Natronlauge (NaOH)[6][9]

Das sehr seltene Mineral Schoenfliesit ist ein Magnesium-Zinn-Hydroxid aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung Mg2+Sn4+(OH)6. Strukturell gesehen ist Schoenfliesit ein nicht stöchiometrischer Doppelperowskit aus der Perowskit-Supergruppe.

Schoenfliesit kristallisiert mit kubischer Symmetrie und bildet oktaederförmige Kristalle mit Kantenlängen von wenigen Mikrometern bis Millimetern. Die Farbe der wachsglänzenden Kristalle ist gelb bis orange braun.[6][7]

Die Typlokalität ist ein kontaktmetamorpher Kalkstein nahe eines Granits am Brooks Mountain, der höchsten Erhebung der York Mountains im Port Clarence Mining District, Nome Census Area in Alaska, Vereinigte Staaten.[6][10]

Etymologie und Geschichte

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Die ersten Synthesen der Verbindung MgSn(OH)6 führten Hugo Strunz und B. Contag 1960 am Institut für Mineralogie der Technischen Universität Berlin durch. Ausgehend von der Entdeckung des Minerals Stottit (FeGe(OH)6) führten sie systematische Untersuchungen verschiedener Hexahydroxostannate des gleichen Verbindungstyps durch.[11]

George T. Faust und Waldemar T. Schaller vom United States Geological Survey beschrieben das natürliche Vorkommen dieser Verbindung 8 Jahre später (1968) und benannten das neue Mineral nach dem Mathematiker und Kristallographen Artur Moritz Schönflies in Anerkennung seiner Leistung bei der Beschreibung der Raumgruppen.[6]

Die strukturelle Klassifikation der International Mineralogical Association (IMA) zählt den Schoenfliesit zur Gruppe der nicht stöchiometrischen Doppelperowskite mit unbesetzter A-Position in der Perowskit-Supergruppe. Hier bildet er zusammen mit Burtit, Jeanbandyit, Mushistonit, Nancyrossit, Natanit, Vismirnovit und Wickmanit die Schoenfliesit-Untergruppe.[12]

Obwohl Schoenfliesit bereits 1968 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten Systematik der Minerale nach Strunz (8. Auflage) nicht verzeichnet.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IV/F.16-010. Dies entspricht der Abteilung „Hydroxide und oxidische Hydrate (wasserhaltige Oxide mit Schichtstruktur)“, wo Schoenfliesit zusammen mit Burtit, Mushistonit, Natanit, Vismirnovit und Wickmanit die „Schoenfliesitgruppe“ mit der Systemnummer IV/F.16 bildet.[4]

Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Schoenfliesit in die Abteilung „Hydroxide (ohne V oder U)“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit von OH und/oder H2O sowie der Kristallstruktur. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Hydroxide mit OH, ohne H2O; eckenverknüpfte Oktaeder“ zu finden, wo es zusammen mit Burtit, Mushistonit, Natanit, Vismirnovit und Wickmanit die „Schoenfliesitgruppe“ mit der Systemnummer 4.FC.10 bildet.[5]

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Schoenfliesit die System- und Mineralnummer 06.03.06.02. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung der „Hydroxide und hydroxyhaltige Oxide“. Hier ist er zusammen mit Burtit, Mushistonit, Natanit, Vismirnovit und Wickmanit in der „Wickmanitgruppe“ mit der Systemnummer 06.03.06 zu finden.[13]

Schoenfliesit ist das Magnesium-Analog von Wickmanit und hat die Endgliedzusammensetzung2Mg2+Sn4+(OH)6, worin ☐ für eine Leerstelle auf der A-Position steht.[12]

Schoenfliesit bildet Mischkristalle mit Wickmanit (MgSn(OH)6) und Natanit (Fe2+Sn(OH)6) entsprechend der Austauschreaktion[14]

Kristallstruktur

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Schoenfliesit kristallisiert mit kubischer Symmetrie der Raumgruppe Pn3 (Raumgruppen-Nr. 201)Vorlage:Raumgruppe/201 und den Gitterparametern a=7,759(6) Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[6] Schoenfliesit hat die Struktur von Perowskit. Die von 12 Hydroxid-Ionen kuboktaedrisch umgebene A-Position ist unbesetzt. Die 6-fach koordinierte, oktaedrische B-Position ist in 2 Positionen aufgespalten, die von Mangan (Mg2+) und Zinn (Sn4+) besetzt sind. Magnesium und Zinn verteilen sich streng geordnet auf die beiden alternierenden Oktaederpositionen.[15]

Bildung und Fundorte

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Schoenfliesit ist eine späte, niedrig temperierte Bildung der hydrothermalen Überprägung von Zinn-haltigen Gesteinen.[14]

Bisher (Stand 2026) ist Schoenfliesit an rund 15 Fundorten dokumentiert werden.[10] Seine Typlokalität ist ein kontaktmetamorpher Kalkstein nahe eines Granits am Brooks Mountain im Port Clarence Mining District, Nome Census Area in Alaska, Vereinigte Staaten. Schoenfliesit tritt hier zusammen mit Goethit Maghemit und Hulsit sowie geringer Mengen Fluorit und Hämatit auf.[9]

  • George T. Faust and Waldemar T. Schaller: Schoenfliesite, MgSn(OH)6. In: Zeitschrift für Kristallographie - Crystalline Materials. Band 134, Nr. 1-6, 1971, S. 116–141, doi:10.1524/zkri.1971.134.16.116 (englisch).
Commons: Schoenfliesite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2026. (PDF; 3,2 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2026, abgerufen am 23. August 2026 (englisch).
  2. Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 320 kB; abgerufen am 9. August 2026]).
  3. Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 232 (englisch).
  4. 1 2 Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
  5. 1 2 Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Original am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).
  6. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 George T. Faust and Waldemar T. Schaller: Schoenfliesite, MgSn(OH)6. In: Zeitschrift für Kristallographie - Crystalline Materials. Band 134, Nr. 1-6, 1971, S. 116–141, doi:10.1524/zkri.1971.134.16.116 (englisch).
  7. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Schoenfliesite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy (englisch).
  8. Schoenfliesite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org [PDF; 57 kB; abgerufen am 23. August 2026]).
  9. 1 2 3 Michael Fleischer: New Mineral Names. In: The American Mineralogist. Band 57, 1972, S. 1557 (englisch, minsocam.org [PDF; 742 kB; abgerufen am 15. August 2026]).
  10. 1 2 Fundortliste für Schoenfliesit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 28. August 2026.
  11. H. Strunz, B. Contag: Hexahydroxostannate Fe, Mn, Co, Mg, Ca[Sn(OH)6] und deren Kristallstruktur. In: Acta Crystallographica. Band 13, 1960, S. 601–603, doi:10.1107/S0365110X60001436 (englisch).
  12. 1 2 Roger H. Mitchell, Mark D. Welch, Anton R. Chakhmouradian: Nomenclature of the perovskite supergroup: A hierarchical system of classification based on crystal structure and composition. In: Mineralogical Magazine. Band 81, Nr. 3, 2017, S. 411–461, doi:10.1180/minmag.2016.080.156 (englisch, cambridge.org [PDF; 2,3 MB; abgerufen am 13. August 2026]).
  13. Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig: Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York u. a. 1997, ISBN 0-471-19310-0, S. 285.
  14. 1 2 E. I. Nefedov, W. L. Griffin, Roy Kristiansen: Minerals of the schoenfliesite – wickmanite series from Pitkäranta, Karelia, U.S.S.R. In: The Canadian Mineralogist. Band 15, 1977, S. 437–445 (englisch, Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 17. April 2024 im Internet Archive) [PDF; 722 kB; abgerufen am 13. August 2026]).
  15. Laurel C. Basciano, Ronald C. Peterson, Peter L. Roeder, Ian Swainson: Description of schoenfliesite, MgSn(OH)6, and roxbyite, Cu1.72S, from a 1375 BC shipwreck, and Rietveld neutron-diffraction refinement of synthetic schoenfliesite, wickmanite, MnSn(OH)6, and burtite, CaSn(OH)6. In: The Canadian Mineralogist. Band 36, Nr. 5, 1998, S. 1203–1210 (englisch, Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 16. April 2024 im Internet Archive) [PDF; 947 kB; abgerufen am 13. August 2026]).