Theater

Theater (von altgriechisch τὸ θέατρον théatron ‚Schaustätte‘, ‚Theater‘; von θεᾶσθαι theasthai ‚anschauen‘) ist die Bezeichnung für eine szenische Darstellung zwischen Schauspielern, die ihre Rollen auf der Bühne in einem fiktiven Raum, in einer fiktiven Zeit, über einen fiktiven Inhalt hinweg vor dem Publikum verhandeln. Mit dem Wort Theater kann das Gebäude gemeint sein, in dem Theater gespielt wird (siehe Theaterarchitektur), oder der Prozess des Theater-Spielens oder allgemein eine Gruppe von Menschen, die Theater machen, also eine Theatergruppe.[1]



Traditionelle Sparten des Theaters
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Es gibt vier klassische Sparten des Theaters:
- Sprechtheater oder Schauspiel (Tragödie, Komödie)
- Musiktheater (Oper, Operette, Musical)
- Bühnentanz (Tanztheater, Ballett, Eurythmie)
- Figurentheater (Puppentheater, Objekttheater)
Überschneidungen der hier genannten Sparten sind in der Geschichte des Theaters der Regelfall. Eine Trennung vollzog sich erst spät, etwa im 19. Jahrhundert. In den jeweiligen Sparten sind unterschiedlich ausgebildete und qualifizierte Künstler tätig.
- Im Sprechtheater: Schauspieler, Regisseure, Schauspielmusiker
- Im Musiktheater: Sänger (Solisten und Choristen), Orchestermusiker, Korrepetitoren, Dirigenten, Regisseure.
- Im Tanztheater: Tänzer, Choreografen, Korrepetitoren
Kunstform Theater
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als Minimalformel von Theater kann gelten: A spielt (B) und C schaut zu (und beide haben ein Bewusstsein von ihren Rollen als Spieler und Zuschauer). Zum Theater gehört ein Publikum. Aufgrund der kollektiven Rezeption und des Live-Charakters von Aufführungen steht Theater in besonderer Nähe zur (realen) Gesellschaft: Es erzählt von Menschen und vom Leben. Sprachliche Formulierungen, die Figuren und die Gesten der Schauspieler unterliegen hierbei einer ständigen Anpassung an den gesellschaftlichen Kontext.[2]
Geschichte des Theaters in Europa
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Frühe Formen des Theaters entwickelten sich schon in der Frühzeit der Zivilisation in Form von Tänzen in Steinzeitkulturen. Mit dem „Theatron“, dem Zuschauerraum, wurde einerseits die Möglichkeit zu Diskussionen der griechischen Demokratie ermöglicht, aber auch die religiösen Feste, vor allem die Dionysien, abgehalten. Die Abhandlungen des Aristoteles begründeten auch die Theaterwissenschaft, vor allem verlangte er die Einheit von Handlung, Ort und Zeit im Drama.
Das athenische Dionysostheater wurde zum Prototyp des Theaters und in die griechischen Kolonien im ganzen Mittelmeerraum exportiert. Es besaß neben dem Zuschauerraum eine Bühne, die skené, auf der die danach benannte Szene dargestellt wurde (auf in die skené gehängten Bildern). In Tragödien, der ersten Form des Dramas seit spätestens 534 v. Chr., und Komödien seit etwa 480 v. Chr., wurde in den „Großen Dionysien“ der Gott Dionysos verehrt. Das heitere Nachspiel der Tragödien bildete ein Satyrspiel[3].
Theatergebäude
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Historische und moderne Theater sind oft eigens errichtete Bauten und werden als architektonische Glanzbauten verstanden. Besonders herausgefordert werden die Architekten durch den Zwang, raffinierte ästhetische Vorstellungen und praktische Erfordernisse miteinander vereinen zu müssen, bis hin zu dem profanen Umstand, dass ein Theater vor allem auch von der Akustik im Inneren her hohen Ansprüchen genügen und zudem gegen Außenlärm so gut wie schalldicht sein soll. Zum modernen Theaterbetrieb gehören aufwändige Licht- und Tonanlagen. Die großen Häuser haben ausreichend große Seitenbühnen, auf denen die Kulissen und Requisiten für die verschiedenen Szenen des laufenden Stückes „versteckt“ werden können. Die Hinterbühne wird in modernen Inszenierungen als willkommene Möglichkeit gesehen, große Tiefe der Spielfläche zu erreichen. Die Oberbühne, der Schnürboden („Bühnen-Himmel“), ist allein schon wegen des Eisernen Vorhangs mindestens ebenso hoch wie die sichtbare Bühne selbst. Dort oben hängt, was beim Umbau der Bühne von einer Szene zur anderen mit Hilfe von Seilzügen herabgelassen werden kann. In Bühnennähe findet man die Künstler-Garderoben sowie Handmagazine für den Tagesbedarf an Requisiten und Dekorationen.
In Opernhäusern und Mehrspartenhäusern sitzt zwischen der ersten Sitzreihe und der Bühnenrampe das Orchester im Orchestergraben, der bei Musicals, Opern und Operetten meist abgesenkt ist. Große Häuser haben Drehbühnen und auch Teile des Bühnenbodens, die hydraulisch versenkt werden können. Weil der Zuschauerraum während des Spiels dunkel, die Bühne aber aus Richtung der Zuschauer mit Scheinwerfern ausgeleuchtet ist, sind die Akteure auf der Bühne „geblendet“. Sie spielen gegen die „vierte Wand“, die durch die Helligkeit der En-face-Beleuchtung errichtet wird.


Viele Neubauten wenden sich ab von der traditionellen Guckkastenbühne hin zur Raumbühne, Arenabühne und Rundumbühne, um eine andere Zuschauer-Darsteller-Zuordnung zu erreichen (die so neu allerdings nicht ist, denkt man etwa an die Shakespeare-Bühne, das „Globe-Theater“). Es gibt einen Disput unter Theatermachern darüber, ob es nicht dem Wesen des Theaters widerspricht, die Zuschauer rund um eine Bühne zu setzen. Kritiker meinen, dabei entstünde kein (Bühnen-)„Raum“ – das Geheimnis des „Dahinter“, der imaginären anderen, nicht sichtbaren Räume ginge verloren. Es fehle der Zuschauerfokus auf das Geschehen, die Phantasie über das „Dahinter“ werde beschnitten. Man werde zum Beobachter der jeweiligen anderen Besucher, was die Beobachteten an der völligen Konzentration hindere, sie negativ beeinflusse und die Rezeption des Bühnengeschehens mit allen Sinnen unmöglich mache. Beobachtet man das aktuelle Theatergeschehen, stellt man fest: Auch ansonsten frei und unkonventionell arbeitende Theatermacher greifen, was die Zuordnung Bühne / Zuschauerraum angeht, eher wieder zur „alten“ Praxis zurück.
Organisation und Personal
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Theater in öffentlicher Trägerschaft werden in der Regel künstlerisch vom Intendanten geleitet. Diesem ist ein Verwaltungsdirektor zur Seite gestellt. In enger Zusammenarbeit mit dem Dramaturgen wird für ein bis zwei Jahre im Voraus der Spielplan erstellt. Er ist Grundlage für alle Dispositionen bis hin zum Lösen bisheriger Verträge und zu (Neu-)Verpflichtungen im Bereich künstlerisches Personal.
Der Etat der öffentlich getragenen Theater wird von den Trägern vorgegeben, inklusive der zu erzielenden Eigeneinnahmen. In der Regel erhalten die Theater Budgets, die einen gewissen Spielraum beim Verwenden der Gelder zulassen, wobei etwa 85 % des Budgets für Personalausgaben gebunden sind. Für die Verwaltung fallen in der Regel etwa 9 % des Budgets an.[4]
Im Theater gibt es folgende künstlerische Berufe:
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Die meisten Theater haben eigene technische Abteilungen, unterteilt in:
- Technische Leitung (Technischer Direktor mit Assistenten) für die Gesamtverantwortung und Organisation aller technischen Abteilungen
- Konstruktionsabteilung (Entwurf und Konstruktion der Bauten, Planung und Statik)
- Werkstättenleitung (Organisation der Herstellung des Bühnenbildes und der Werkstätten)
- Tischlerei
- Schlosserei
- Malersaal
- Tapezierer (auch Polsterer)
- Plastiker (auch Bildhauer)
- Kostümabteilung
- Gewandmeister (Organisation der Herstellung der Kostüme, Schnittmuster)
- Schneider
- Garderobier (österr. Garderober[5]) oder Ankleider (Betreuung der Schauspieler, u. a. beim Anziehen der Kostüme, auch die Bereitstellung selbiger. Der Begriff wird umgangssprachlich manchmal für das Personal verwendet, das Jacken und Mäntel der Theaterbesucher während der Vorstellung verwahrt.)
- Gewandmeister (Organisation der Herstellung der Kostüme, Schnittmuster)
- Bühneninspektion (Organisation der technischen Abläufe auf der Bühne: Auf- und Abbauten, Lagerung)
- Bühnenmeister
- Bühnentechniker
- Dekorateur
- Obermaschinist
- Untermaschinist
- Bühnenmeister
- Beleuchtung
- Ton/Video
- Requisiteure (Herstellung und Organisation der Requisiten, Betreuung bei Proben und Vorstellungen)
Theaterlandschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Deutschland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Bild der Theaterlandschaft in Deutschland wird wesentlich durch die rund 140 öffentlich getragenen Theater bestimmt, also durch Stadttheater, Staatstheater und Landesbühnen. Hinzu kommen rund 220 Privattheater und ca. 70 Festspiele, rund 150 Theater- und Spielstätten ohne festes Ensemble und um die 100 Tournee- und Gastspielbühnen ohne festes Haus. Darüber hinaus gibt es noch eine unübersehbare Anzahl freier Gruppen.[6] Die meisten der heutigen Stadttheater entstanden auf private Initiative und wurden auch zunächst als Privattheater geführt. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es nur 16 Stadttheater in kommunaler Verantwortung, aber es gab 360 Privattheater.
Die 140 öffentlichen Häuser werden mit Mitteln aus Landes- und Kommunalhaushalten unterstützt. Die Einnahmen durch Kartenverkauf (Eigenanteil) belaufen sich in diesen Theatern durchschnittlich auf rund 20 Prozent des Gesamtetats. Eine Theaterkarte in Deutschland wird im Durchschnitt mit 95,74 Euro gestützt. Weitere Finanzierungsquellen sind Mäzene, Sponsoren, Fördervereine und Stiftungen (Kulturstiftung des Bundes). Weiterhin sind in den neuen Ländern viele Theater in Haustarifverträgen, in denen die Gehälter gekürzt sind. Somit finanzieren die Mitarbeiter der Theater ihr Theater selbst mit.
Deutsche Städte mit Spielstätten aber ohne eigenes Ensemble haben sich zur Interessengemeinschaft der Städte mit Theatergastspielen zusammengeschlossen. Deutschlands größte Gastspieltheater sind das Landestheater Detmold und die Landesbühnen Sachsen. In manchen Städten werden auch Kulturhäuser, Mehrzweckhallen oder Kongresszentren mit den entsprechenden technischen Einrichtungen für Tourneetheater genützt. Abgesehen davon machen Theater mit eigenem festen Ensemble auch zahlreiche Gastspiele, vor allem die Landestheater, aber auch andere Bühnen.

Rund 80 der 220 Privattheater sind im Deutschen Bühnenverein organisiert (Beispiele: Altes Schauspielhaus in Stuttgart; Ohnsorg-Theater in Hamburg; Komödie am Kurfürstendamm in Berlin; Millowitsch-Theater in Köln; Komödie im Bayerischen Hof in München, das Grenzlandtheater Aachen, das Mitteldeutsche Theater in Dessau).
In anderen Ländern
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Österreich konzentriert sich das Geschehen auf die Bundestheater (Burgtheater, Staatsoper und Volksoper), die großen Wiener Privattheater, die Vereinigten Bühnen Wien sowie die Länderbühnen und Stadttheater. Die dortigen Aufführungen wurden 2012/13 von 3,59 Mio. Zuschauern und Zuschauerinnen besucht.[7] Zudem gibt es noch private Amateurtheaterbühnen.
In Liechtenstein zählen das Theater am Kirchplatz (TaK) in Schaan mit 295 Plätzen, die Nebenspielstätte im TaKino mit 100 Plätzen[8] und die Kleinkunstbühne in Vaduz zu den meistbesuchten Theaterbühnen.[9]
Für die Schweiz gibt es keine genauen Zahlen, in Bern, Basel, Zürich und Genf gibt es jedoch eine reiche Theatertradition.[10]

Am Broadway in New York gibt es rund 40 Privattheater, wobei diese sich überwiegend auf Musicals spezialisiert haben.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Christopher Balme: Einführung in die Theaterwissenschaft; 5., neu bearbeitete und erweiterte Auflage Schmidt, Berlin 2014, ISBN 978-3-503-15505-7.
- Manfred Brauneck: Klassiker der Schauspielregie. Positionen und Kommentare zum Theater im 20. Jahrhundert (= Rowohlts Enzyklopädie 477); Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1988, ISBN 3-499-55477-1.
- Stefanie Diekmann, Gabriele Brandstetter, Christopher Wild (Hrsg.): Theaterfeindlichkeit, Fink, Paderborn 2012, ISBN 978-3-7705-5158-3 (Inhaltsverzeichnis)
- Peter Brook: Der leere Raum; Alexander, Berlin 2004, ISBN 3-923854-90-0.
- Joachim Fiebach (Hrsg.): Manifeste europäischen Theaters. Grotowski bis Schleef; Theater der Zeit, Berlin 2003, ISBN 3-934344-17-8.
- Joachim Fiebach: Die Toten als die Macht der Lebenden. Zur Theorie und Geschichte von Theater in Afrika; Heinrichshofen, Wilhelmshaven 1986, ISBN 3-7959-0503-6.
- Lorenz Fischer: Narrative Räume im Theater: Räumliche Klanggestaltung im Theater am Beispiel einer Theaterinszenierung mit einem Spatial Audio System, Universitätsbibliothek der Filmuniversität Babelsberg, Potsdam 2014, DNB 105884167X (Bachelerarbeit Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, Potsdam 2014, Volltext online PDF, kostenfrei, 42 Seiten, 719 KB).
- Georg Hensel: Spielplan. Der Schauspielführer von der Antike bis zur Gegenwart; Econ-List, München 2001; ISBN 3-612-26645-4; CD-Ausgabe: Directmedia Publishing, Berlin 2007; ISBN 978-3-89853-565-6.
- Katharina Keim, Peter M. Boenisch, Robert Braunmüller (Hrsg.): Theater ohne Grenzen; Herbert Utz, München 2003; ISBN 3-8316-0237-9.
- Klaus Lazarowicz, Christopher Balme (Hrsg.): Texte zur Theorie des Theaters; Reclam, Stuttgart 2003; ISBN 3-15-008736-8.
- Gustav Gans zu Putlitz: Theater-Erinnerungen. Berlin 1875, 2. Aufl., Bd. 1 online – Internet Archive
- Theater als Theorie - Theorie als Theater. Von Daniel Hornuff. SWR2 Radioessay 2018.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Theater im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Theaterkompass
- Deutscher Bühnenverein, Berufe am Theater
- Theaterportal: Spielpläne deutschsprachiger Bühnen
- Zentralverband Schweizer Volkstheater (ZSV)
- Digitale Bibliothek von historischer Theaterliteratur
- Österreichische Bundestheater
- Umfangreiche Linksammlung zu den Theatern, Bühnen und Gruppen im deutschsprachigen Raum.
- Artikel und Dossiers zum Thema Theater in Deutschland, Goethe-Institut
- Informationen über Theater, Flamenco und Oper
- Schweizerischer Bühnenverband (SBV)
- Interessengemeinschaft der Städte mit Theatergastspielen
- Online Magazin theater : pur
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Schlussbericht der Enquete-Kommission "Kultur in Deutschland" ( vom 30. Mai 2008 im Internet Archive), abgerufen am 11. März 2022
- ↑ Erika Fischer-Lichte: Semiotik des Theaters: Das System der theatralischen Zeichen, Band I, Gunter Narr Verlag, Tübingen, 1983, S. 65 f.
- ↑ Masuhr, Karl F.: "Die Visite, ein Satyrspiel. Hoof-Verlag, Berlin 2014
- ↑ Was kostet was im Theater?, Theaterbrief des Deutschen Bühnenvereins, der die Ausgaben der Theater aufschlüsselt, abgerufen am 11. März 2022
- ↑ Salzburger Festspielfonds, abgerufen am 11. März 2022
- ↑ Deutscher Bühnenverein, Theater- und Orchesterlandschaft, Zugriff am 11. März 2022
- ↑ Statistik Austria, Theater und Musik, Zugriff am 11. März 2022
- ↑ Theater am Kirchplatz, abgerufen am 11. März 2022
- ↑ Kleinkunstbühne in Vaduz, Zugriff am 11. März 2022
- ↑ Theater in der Schweiz, Zugriff am 11. März 2022 ( vom 18. Dezember 2014 im Internet Archive)
- ↑ ParisInfo, Zugriff am 11. März 2022